Das "deutsche Problem"

 

Die Einwanderung von irischen und deutschen Katholiken in das calvinistisch geprägte Amerika brachte mehr sozialen und politischen Zündstoff mit sich als heutzutage die Einwanderung von Muslimen in die säkularisierten westlichen Gesellschaften. Als ein Drittel der Bevölkerung Pennsylvaniens aus Deutschen bestand und noch viele Einwanderer unterwegs waren, sprach man Mitte des 18. Jahrhunderts von einem ''deutschen Problem'' in Amerika. Benjamin Franklin, der 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserkläung unterzeichnete, schrieb:

''Warum sollte Pensylvania, das von Engländern gegründet wurde, eine Kolonie von Fremden werden, die in Kürze so zahlreich sein werden, daß sie uns germarnisieren, anstatt daß wir sie anglisieren?''
 

Ein Freund unterbreitete Franklin damals Vorschläge, um eine Überfremdung der englischen Kolonie zu vermeiden. Franklin erwiderte:

'Dein erster Vorschlag, englische Schulen unter den Deutschen zu etablieren, ist ausgezeichnet …. Falls sie die englische Schulbildung umsonst haben können, werden sie nicht für deutsche Schulen bezahlen, so sehr sie ihre eigene Sprache lieben. Den sechsten Vorschlag, Mischehen zwischen den Angloamerikanern und den Deutschen mittels Geldspenden zu fördern, halte ich entweder für zu teuer oder ohne Aussicht auf Erfolg. Die deutschen Frauen sind im allgemeinen so wenig anziehend für einen Engländer, daß es enorme Mitgift erfordern würde, Engländer anzuregen, sie zu heiraten. Der siebte Vorschlag, keine Deutschen mehr nach Pensylvanien zu schicken, ist ein guter Vorschlag."

Der lange Weg der Eingliederung der Deutschen in Amerika bestand zunächst in der Integration in das "Kleindeutschland", das heißt in der Nachbarschaft, mit deutschen Freunden, Geschäften, Kirchen, Sitten und Gebräuchen. Auch das können wir aus der deutschen Auswanderungsgeschichte lernen: Diese Siedlungsgebiete sollten nicht als "Gettho" abgetan werden, sie sind vielmehr ein ''Sprungbrett'' in die Gesellschaft des Aufnahmelandes, in die deutsche und andere Auswanderer meist erst nach einer Generation hineinawachsen.

Als kulinarische und kulturelle Bereicherung werden Einwanderer erst viel später erkannt: die deutschen Metzger, die den sogenannten "Hamburger" vor über 100 Jahren nach Amerika gebracht haben, die Italiener, die ihre Spagetti zum deutschen Grundnahrungsmittel machten oder die Tuerken mit ihrem "Döner Kebap". Und ein Bayer namens Levi Strauss war es, der der auf die Idee kam, daß die Goldgräber in Kalifornien strapazierfähige Hosen brauchten. So wurde die Jeans erfunden –weltweit heute ein Synonym für die USA.

 

Aus: AiD. Ausländer in Deutschland 3/99. Hrsg.: isoplan GmbH. Saarbrücken: 18 (m-b)

 


Weniger Asylsuchende in Deutschland

 

Immer weniger Asylsuchende in Europa kommen nach Deutschland. Zwar nimmt die Bundesrepublik in absoluten Zahlen immer noch mit Abstand am meisten Asylsuchende in Europa auf, setzt man die Zahl der Asylanträge jedoch in Relation zur Einwohnerzahl der Staaten, steht die Bundesrepublik nur noch an neunter Stelle. In Deutschland kam 1998 ein Asylbewerber auf 830 Einwohner. Belgien und die Niederlande waren im selben Zeitraum mit etwa doppelt so hohen Raten konfrontiert, die Schweiz lag beim Fünffachen der deutschen Quote. Auch Luxemburg, Norwegen, Österreich, Schweden und Irland nahmen im Verhältnis zu ihrer Größe mehr Asylbewerber auf als Deutschland. Insgesamt haben im vergangenen Jahr 366.000 Menschen in Europa Asyl gesucht, 78.000 mehr als im Jahr zuvor. 98.700 haben ihren An- trag in Deutschland gestellt.

 

 

Aus: Blätter der Wohlfahrtspflege. Deutsche Zeitschrift für Sozialarbeit. Heft 5+6; Mai/Juni 1999: Hrsg: Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband. Redaktion: Gerhard Pfannendörfer. Seite 130 (Aufnahme in das Mitteilungsblatt mit freundlicher Genehmigung der Blätter-Redaktion).

 


Todesschüsse an der Grenze von heute

 

Zumindest im Rahmen der Berichterstattung über den (und vermutlich im Rahmen des) Finnischen Sondergipfels im Oktober 1999, der unter dem Thema von Asyl, Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit und auch eine Grundrechtscharta stand, hätte man auch erwarten können, dass Themen wie folgende angesprochen worden wären. Dies um so mehr, als der nunmehrige EU-Kommissar Vitorino (Justiz und innere Angelegenheiten) bei der Anhörung der Kommissare vom EP feststellte, dass die Forderung nach der Anerkennung eines hohen Standards der Menschenrechte nicht von den beitrittswilligen Staaten gefordert werden könne, ‘wenn wir nicht vor unserer eigenen Tür kehren und wenn wir nicht solche Standards für uns selbst durchgesetzt haben.‘ (Übersetzung, P.H.)

Zu der enorm hohen Zahl von toten Flüchtlingen an den deutschen Grenzen in den Jahren von 1997 bis 1999 erklärt die innenpolitische Sprecherin der PDS-Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke:

38 Menschen starben vermutlich bei dem Versuch, trotz Verbot und hochgerüsteter Abschottung, die deutsche Grenze zu überwinden. Zahlreiche weitere Menschen wurden durch Mittel des unmittelbaren Zwangs und durch Verfolgung verletzt.

Diese hohe Zahl der Toten ist das Ergebnis einer regiden Asylpolitik, die die Asylsuchenden immer mehr dazu zwingt, unter Gefahr von Leib und Leben die Grenzen illegal zu übertreten und/oder sie in die Hände von Schlepperbanden treibt. Heute ist ein legaler Grenzübertritt kaum noch möglich. Es sei erinnert, daß die Ablehnungsquote von Asylsuchenden aus dem Kosovo unmittelbar vor Beginn der Bombardierung Jugoslawiens bei 99 Prozent lag.

(Pressemeldung der PDS-Bundestagsfraktion vom 27.10.1999)