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unter diesem Stichwort soll versucht werden, Anregungen zur Entwicklung eines
europäischen Professionsbewußtseins zu diskutieren, Materialien verfügbar zu machen und
Standpunkte zu dokumentieren.
Soweit es nicht die Harmonisierung des ökonomischen Sektors betrifft, fehlt in der
Diskussion um die europäische Union die soziale Dimension weitgehend. Es wird Zeit, daß
sich die Profession in die europäische Debatte einmischt, damit die zu erwartende
Diskussion um Modelle einer europäischen Sozialunion bzw. einer Sozialpolitik nicht nur
als flankierender Sozialschutz unter ökonomischen Vorzeichen verhandelt wird. Dazu
freilich muß die Profession zunächst einmal selbst eine Position erarbeiten und
später dann auch weiterentwickeln.
Für die Profession bleibt nunmehr die Frage, welche sozialstaatlichen Modelle sich in
der EU mehrheitlich durchsetzen werden, in welcher Weise Aufgaben Europaweit geregelt
werden, welchen Spielraum die nationalen Regierungen behalten und welche Rolle dem
professionellen Handeln der Sozialarbeit in diesem Geflecht zugewiesen wird bzw. welchen
Platz sie sich darin erkämpft. Setzen sich Formen der zuschußfinanzierten Hilfeleistung
von Freiwilligen und ihrer entsprechenden Laienorganisationen durch oder werden
martwirtschaftlichen Ideen entsprechend freiberufliche und auf Gewinn abzielende
Modelle die zukünftige Praxis bestimmen? Die Hoffnung, daß sich eine sozialstaatliche
Sozialarbeit herausbildet, die sich sozialer Gerechtigkeit und ethischen Prinzipen
unterordnet sowie mit rechtsstaatlichen Garantien ausgerüstet ist und sich öffentlich
legitimieren kann, klingt im Moment mehr als optimistisch. Die Orientierung an Modellen
wie dem skandinavischen oder rheinischen allein wird keine ausreichende
Zukunftsperspektive bieten. Mehr noch: Soziale Probleme treten zunehmend als
transnationale auf. Im Rahmen globalisierter (internationaler) Ökonomie, gleichen sich
auch die Probleme und Folgen - vor allem auch durch den zu erwartenden einheitlichen
Währungsraum Eu ropaweit an. Sozialarbeit hat sich dieser sozialpolitischen
Herausforderung zu stellen. Angefangen bei der Forderung nach einer europäischem
Sozialunion, bis hin zu Rolle der Sozialarbeit in einem europäischen Gesellschaftsmodell,
beginnt erst ein Nachdenken in der Profession. Eigentlich ist es schon zu spät, daß die
Profession die Herausforderung angenommen hat. Die Vorstellungen, die bereits jetzt die
Agenda bestimmen, drehen sich vor allem bestehende Verteilungsspielräume, um
"Sozialstaats-Modelle" und wenig nur um die originären Anliegen der sozialen
Professionen. Gleichwohl ist es noch eine offene Frage, ob nun damit eine unmittelbare
Standardisierung sozialer Dienstleistungen gewünscht oder gefordert wird oder die Chance
besteht, aus den unterschiedlichen nationalen Erfahrungen, die besten Modelle in
verschiedenen nationalen Kontexten auszuprobieren die Entscheidung darüber wird
ohne Einmischung der Profession mit Sicherheit fachfremd entschieden werden.
Offene Fragen gibt es genügend: hier ist der Raum, Anworten zu versuchen!
Interessierte sind eingeladen,
- sich an der Debatte zu beteiligen;
- Kurzinformationen zu Veranstaltungen, neuen Entscheidungen,
Programmen, Finanzierungsquellen und Entwicklungen abzurufen;
- Objektbeschreibungen zu verfolgen;
- Hinweise auf Veröffentlichungen und Kurzrezensionen zu
lesen.
Dr. Peter Herrmann
Christoph Kusche
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