Sozialarbeit in der
Sammelunterkunft Kehl
01.01.97-31.10.97
Mitarbeiter und ihre Arbeitsschwerpunkte
Neuankömmlinge
Bittbriefe um Ratenzahlung
Sozialhilfe
Arbeitslosengeld/Rente
Krankenhilfe
Erarbeitung einer Lebensperspektive
Sportangebote
Teilnahme am Sportprogramm der Kehler Turnerschaft
Fußball
TischtennisDeutschunterricht in der Sammelunterkunft
Einrichten eines Lese- und Spielzimmers
Hilfestellung bei der Arbeits- und Wohnungssuche
Ökumenischer Freundeskreis Asyl
Städtischer Arbeitskreis Asyl
Sommerfest
Pressearbeit
Öffentlichkeitsarbeit in Schulen
Informationsveranstaltung zu Sri Lanka
Referat zur Asylproblematik in Deutschland beim evangelischen Pfarrkonvent
Teamarbeit / Erfahrungsaustausch
Zusammenarbeit Sozialdienst - Verwaltung/ Polizei/ Ausländeramt Kehl
Asylbewerber leben, bis über ihren Antrag vom Bundesamt oder einem Gericht entschieden wird, im Regelfall ein bis zwei Jahre in Deutschland - in einigen Fällen kann sich das Asylverfahren auch über mehrere Jahre hinziehen. Diese Zeit empfinden die Asylbewerber sehr bedrückend: auf der einen Seite wissen sie nicht, ob sie in Deutschland bleiben können und auf der anderen Seite versuchen sie in dem für sie fremden Land Fuß zu fassen: die Sprache zu erlernen, eine Arbeit zu finden, Kontakte zu Deutschen zu knüpfen etc.

In der Sammelunterkunft Kehl waren im
Durchschnitt etwa 400 Asylbewerber untergebracht - überwiegend allein-stehende junge
Männer und einige
Familien.
Ziel unserer Sozialarbeit in der Sammelunterkunft sollte es sein, die Asylbewerber in dieser Wartezeit über ihre Rechte und Pflichten während ihres Aufenthaltes in Deutschland zu informieren, Lebensperspektiven zu entwickeln, dabei besonders durch gezielte Frauen- und Kinderangebote, auf die Frauen und Kinder einzugehen und die Bevölkerung selbst zum einen durch Mitarbeit an Arbeitskreisen zum anderen durch Öffentlichkeitsarbeit für die Problematik der Flüchtlinge zu sensibilisieren.
Wir waren uns alle einig, daß wir auf keinen Fall schon vor Beginn der Arbeit in der Sammelunterkunft, eine fertige Konzeption am grünen Tisch entwickeln wollten. Zunächst beabsichtigten wir unsere sozialarbeiterischen - pädagogischen Vorstellungen der Arbeit zugrundezulegen und uns dann an den Bedürfnissen und Problemen der Menschen zu orientieren.
Also: Die Konzeption der Arbeit sollte sich, ausgehend von einer Grundversorgung, ständig verändern und weiterentwickeln können.
Unsere Ideen und Erfahrungen während diesen zehn Monaten wollten wir in dieser Dokumentation festhalten und somit einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen.
Mitarbeiter und ihre Arbeitsschwerpunkte
| N a m e | Arbeitsschwerpunkte |
| BACH, CHRISTA | -Sekretariat |
| - Briefpost (Ein- und Ausgang) | |
| - allgemeiner Schriftverkehr | |
| - Belegungsstatistik und Umverteilungslisten führen | |
| ECKERT, GABRIELE | - allgemeine Beratung |
| - Freizeitpädagogik/Tagesgestaltung | |
| - Asylverfahrensberatung | |
| - Begleitung ehrenamtlicher Mitarbeiter | |
| GRUBER, MARGOT | - allgemeine Beratung |
| - Kinderbetreuung | |
| - Einzelfallhilfe | |
| HOFHERR, ERICH | - allgemeine Beratung |
| - Asylverfahrensberatung | |
| - Begleitung ehrenamtlicher Mitarbeiter | |
| - Öffentlichkeitsarbeit | |
| MEIER, NATASCHA | - allgemeine Beratung |
| - Familien, Frauen, Kinder | |
| - Kinderbetreuung - Kontakte mit Schulen und Kindergärten |
|
| - Frauenarbeit / Frauencafe | |
| - Einzel-Betreuung psychisch Kranker |
| MEINKE, BRITTA | - Deutschunterricht für Anfänger |
| - Deutschunterricht für Fortgeschrittene | |
| - Deutschunterricht für Familien/Kinder | |
| SALA, OSCAR | - Deutschunterricht für Anfänger |
| - Deutschunterricht für Fortgeschrittene | |
| SEILER, ANJA | - allgemeine Beratung |
| - Asylverfahrensberatung | |
| - Öffentlichkeitsarbeit | |
| - Begleitung ehrenamtlicher Mitarbeiter |
Die Sekretariatsarbeiten des Sozialdienstes der Staatlichen Sammelunterkunft Kehl vom 01.01.97 bis zur Schließung am 31.10.97 umfaßte folgende Aufgaben:

Grundsätzlich ist zu sagen, daß wir unter der allgemeinen Beratung die Beratung und Hilfe in allen Lebenslagen verstanden haben, das bedeutete, daß die Bewohner der Sammelunterkunft Kehl mit allen Fragen und Problemen zu uns kommen konnten. Da die Sprache ein großes Problem darstellte, haben wir die Bewohner der verschiedenen Sprachgruppen mit Deutschkenntnissen gebeten, gegen eine geringe monatliche Aufwandsentschädigung, für ihre Landsleute in unserer Beratung zu dolmetschen und sie bei Behördengängen, Arztbesuchen u.ä. zu begleiten. Das Projekt "Bewohner helfen Bewohnern" hat sehr gut funktioniert und war für uns und alle Asylbewerber eine sehr große Hilfe.
Wir haben die neu ankommenden Asylbewerber
mit einem entsprechenden Dolmetscher empfangen. Dabei verteilten und erläuterten wir
ihnen ein von uns entworfenes Informationsblatt in der jeweiligen Sprache mit Tips und
Hinweisen zum Alltag in der Sammelunterkunft. Zusammen mit diesen haben wir auch noch
juristische Informationen zum Asylverfahren verteilt und unseren
Sozialdienst vorgestellt, so daß jeder Asylbewerber die nötigen Informationen zum Leben
in der Sammelunterkunft Kehl hatte.
Beispielhaft werden im folgenden einige Problem-/Arbeitsbereiche der allgemeinen Beratung dargestellt.
Diese mußten hauptsächlich aufgrund von
Geldstrafen geschrieben werden: z.B. Verlassen des Landkreises, Schwarzfahren und
Strafsachen wie Diebstahl usw.. Der ganze Schriftwechsel war aufwendig, aber ziemlich
sinnlos, da die Asylbewerber beispielsweise nicht einsahen, warum sie einen
Freund/Landsmann, eine Freundin oder gar ihren Anwalt außerhalb des
Ortenaukreises nicht besuchen durften, so oft sie wollten.
Anträge auf Sozialhilfe konnten nur nach Abschluß des Asylverfahrens gestellt werden. Der Antragsweg und die Formulare wurden mit den SachbearbeiterInnen des Kreissozialamtes und des städtischen Sozialamtes besprochen und klappte dann auch ohne große Probleme. Wir haben schließlich Ausfüllhilfe für diese Ämter geleistet.
Dies kam seltener vor, nur wenn ein Anspruch auf diese Leistungen von vorherigen Aufenthalten in Deutschland vorlag.
Diese umfaßte z.B. Anträge auf Brillen, Krankengymnasitk, Zahnersatz, Diätberatung bei Nierenleiden usw. . Das Hauptproblem war die lange Bewilligungsdauer, da die Asylbewerber zuerst einen Termin beim Gesundheitsamt in Offenburg zur Begutachtung wahrnehmen mußten. Das Gesundheitsamt schickte dann seine Beurteilung zum Kreissozialamt Kehl und dieses bewilligte dann den Antrag je nach Empfehlung des Gesundheitsamtes oder lehnte ihn ab. Deutlich wird die Einschränkung der Krankenhilfe für Asylbewerber daran, daß z.B. ein Flüchtling mit einer Sehschwäche von -6,0 Dioptrin laut Gesundheitsamt kein Anrecht auf eine Brille hat. In Bereich der Krankenhilfe gab es oft Auseinandersetzungen, da die Gewährung der Hilfe in den oben aufgeführten Fällen vom Gesetz her schon eingeschränkt ist. Die Zusammenarbeit wurde etwas besser nach einem persönlichen Kennenlernen und Problemaustausch.
Einer der Hauptschwerpunkte unserer Arbeit war die
Asylverfahrensberatung. Wenn die Asylbewerber nach Kehl kamen, hatten sie das Interview
beim Bundesamt bereits hinter sich. In unseren Gesprächen ging es um die Dauer der
Verfahren, weitere Vorgehensweisen bei den jeweils möglichen Schritten, wie z. B. bei
negativem Bescheid. Dazu gehörten auch das Übersetzen und Erklären von Interviews,
Bescheiden, Urteilen, Briefen und die Beratung über weitere Folgen. Ganz wichtig war hier
der Kontakt zu Rechtsanwälten, zu denen wir dann für die Leute Verbindung aufgenommen
haben und die auch oft uns beraten haben. In diesem Zusammenhang hatten wir regelmäßig,
einmal monatlich, Fallsupervision mit einem Rechtsanwalt aus Offenburg, in der wir dann
die schwierigeren Fälle besprechen konnten.
Erarbeitung einer Lebensperspektive
Teilnahme am Sportprogramm der Kehler Turnerschaft
In der
Sammelunterkunft waren überwiegend junge alleinstehende Männer untergebracht, für die
in Zusammenarbeit mit der Kehler Turnerschaft ein umfangreiches Sportprogramm angeboten
werden konnte. Die Asylbewerber konnten sich im Sozialdienst über das Vereinsangebot der
Kehler Turnerschaft (von Aerobic bis Krafttraining) informieren, sich einen
"Spielerausweis" ausstellen lassen und gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern
Sport machen.
Erfreulicherweise waren die Trainer der Kehler Turnerschaft den Asylbewerbern gegenüber sehr aufgeschlossen. Es gab ca. 120 Interessenten, die von diesem Angebot Gebrauch machten. Am meisten Interesse bestand an Krafttraining und Fußball.
Seit Jahren bietet der Caritasverband Asylbewerbern und interessierten Deutschen einen Fußballtreff einmal in der Woche an. Im Winter fand das Training in der Sporthalle Neumühl statt, während im Sommer auf dem Hartplatz von Querbach gespielt werden konnte. Leider war es trotz intensiver Bemühungen nicht möglich, eine Turnhalle oder Hartplatz in Kehl zu bekommen, so daß die Asylbewerber mit Autos zum Training abgeholt werden mußten.
In der Sammelunterkunft wurde ein Tischtennisraum eingerichtet, der täglich geöffnet wurde. Betreut wurde der Raum von einem Asylbewerber aus Jugoslawien. Bei ihm konnten auch Sportgeräte wie Fußbälle, Volleybälle, Badminton... ausgeliehen werden.
Deutschunterricht in der Sammelunterkunft
Nachdem der Deutschunterricht anfangs 3 x
wöchentlich für jeweils 2 Stunden "für alle" stattfand, kristallisierte sich
nach kurzer Zeit heraus, daß es notwendig war, die Gruppe aufzuteilen. So war es wichtig,
auf die Frauen gesondert zuzugehen, da sie den Kurs gemeinsam mit den Männern nicht
besuchten. Auch zeigten sich große
Niveauunterschiede in den Kenntnissen der deutschen Sprache. Hieraus entstand der
Montagskurs für Anfänger und ein Dienstagsangebot für Familien (Malen, Basteln, Spielen
und dabei Deutsch lernen) Viele Kinder entwickelten sich hier zu begeisterten Künstlern.
Am Donnerstag nachmittag wurden anhand eines Buches die Lektionen für Fortgeschrittene
durchgearbeitet.
In allen drei Kursen war es der
Sozialarbeiterin wichtig, nicht nur Kenntnisse in der deutschen Sprache zu vermitteln
sondern auch durch Rollenspiele, Diskussionen und freies Erzählen das Verständnis
füreinander und ein Kennenlernen der Kulturen zu fördern.
Die verschiedenen Angebote sollten möglichst alle Zielgruppen erreichen und Spaß machen. Zu Beginn wurde hauptsächlich anschaulich gelernt mit Hilfe von mitgebrachtem Material und eines Overhead-Projektors. Vor allem versuchte die Lehrerin aus dem Bereich des Alltags "Lebenspraktisches" zu vermitteln.
Später verlagerte sich der Schwerpunkt in der Fortgeschrittenengruppe auf schwierigere Texte und Grammatikanteile.
Nicht so einfach war es für die
Sprachlehrerin, sich auf das ständige Kommen und Gehen einzustellen. Das heißt, daß die
Gruppengrößen enormen Schwankungen unterlagen. Fast jedesmal kamen neue Leute hinzu,
andere fehlten. Nur in der Donnerstagsgruppe war deshalb kontinuierliche Arbeit mit einem
harten Kern sehr interessierter, junger Männer möglich. Von den fünfzehn
Lektionen, die das Buch beinhaltet, konnten deshalb bis Oktober dreizehn durchgenommen
werden.
In den anderen beiden Kursen versuchte die Deutschlehrerin (Flexibilität war unbedingt erforderlich) auf die individuellen Kenntnisse und Lernwünsche einzugehen und immer wieder dort anzusetzen, wo die Einzelnen standen, Lücken zu füllen und zu motivieren.
Manches gute Gespräch entwickelte sich, so daß der Abschied von einigen Asylbewerbern nicht leicht viel.
So perspektivlos und trostlos manches Einzelschicksal ausschaute, so lustig, bunt und bereichernd konnte das Zusammensein beim Deutschlernen auch sein.
Einrichten eines Lese- und Spielzimmers
Im Zimmer 208 war die Möglichkeit gegeben, Zeitung zu lesen und Gesellschaftsspiele auszuleihen. Es lagen die Kehler Zeitung als aktuelle deutschsprachige Tageszeitung und die internationale Wochenzeitung Newsweek, sowie wichtige Informationen über das Asylverfahren etc. aus. Dabei entwickelte sich oft ein Austausch über politische Fragen. Einige Asylbewerber erzählten über politische Tendenzen in ihrem Heimatland.
Die Asylbewerber wurden z.B. auf ihre Verantwortung gegenüber dem in der Sammelunterkunft praktizierten Drogenhandel angesprochen. Sich über das Tagesgeschehen und aktuelle politische Themen zu informieren fand großen Anklang. Die Gespräche waren tief und die Asylbewerber waren offen.
Die Idee für dieses Angebot entsprang unserem Wunsch, den Bewohnern einen Treffpunkt einzurichten.
Hilfestellung bei der Arbeits- und Wohnungssuche
Ein weiterer Arbeitsbereich war die Beratung von Asylbewerbern bei der Arbeitsuche.
Asylbewerber kamen immer wieder in unsere Beratung mit Stellenangeboten vom Arbeitsamt, die sie im SIS -Computersystem ausgedruckt hatten. Wir riefen für die Menschen an, da ihre Chancen dadurch stiegen, ein Vorstellungsgespräch zu bekommen und wir den Arbeitgebern wichtige Informationen über die Beantragung von Arbeitserlaubnissen und die Vorgehensweise der Arbeitsämter weitergeben konnten. Somit sanken die Hemmschwellen, Asylbewerber als Arbeitskräfte einzustellen. Oft war es für die Asylbewerber recht frustrierend, wenn sie nach langem Suchen endlich eine Arbeit gefunden hatten und Geld verdienten. Dann wurde ihnen von der Verwaltung für Unterkunft und Verpflegung bis zu 75% ihrer Einkünfte in Rechnung gestellt.
Im Rahmen einer Sitzung des Städtischen AK Asyls wurde seitens der Stadt Kehl zunächst angeboten, für ca. 20 Asylbewerber eine Beschäftigung bei der Stadtgärtnerei oder im Schwimmbad zu ermöglichen. Leider war es dann trotz zahlreicher Nachfrage letztendlich nur für drei Personen möglich, gemeinnützige Arbeit zu leisten.
Anerkannte und geduldete Flüchtlinge bekamen von der Verwaltung eine Frist von drei Monaten gesetzt, sich eine Wohnung zu suchen, da sie kein Recht mehr hatten, in der Sammelunterkunft zu wohnen. Unsere Arbeit bestand darin, Vermieter anzurufen und diejenigen, die bereit waren an Flüchtlinge zu vermieten, über die Vorgehensweise, wie die Mietübernahme durch das Sozialamt beantragt wird, aufzuklären: also Mietbescheinigungen auszufüllen, Mietgrenzen erfragen, Anträge auf Möbel etc. auszufüllen.
Hilfestellung bei Umverteilungen
Während des Asylverfahrens kam es im Rahmen unserer Beratung immer wieder vor, daß enge Verwandte unterschiedlichen Orten zugewiesen wurden. Die Familienzusammenführung für Ehepaare, Minderjährige und manchmal auch Geschwister mußte über das Ausländeramt beantragt werden. Wir nahmen die Anträge auf und leiteten diese ans Ausländeramt Kehl weiter. Leider dauerte die Bearbeitung dieser Anträge immer recht lange, da sich die anderen Ausländerämter oft weigerten, einen Zuzug in ihr Gebiet zu erlauben. Umverteilungen zu Onkel, Tante, Cousin wurden gar nicht mehr durchgeführt, obwohl diese aus der Sicht der Flüchtlinge wünschenswert gewesen wären.
In der Sammelunterkunft wohnten in den letzten zehn Monaten im Durchschnitt bis zu 15 Familien mit ca. 30 -40 Kindern.
Zu Beginn dieses Jahres wurde zu den
einzelnen Schulen und Kindergärten Kontakt aufgenommen. Die Bereitschaft,
Asylbewerberkinder aufzunehmen und sie in die Klassen und Gruppen zu
integrieren, war vorbildlich.
Auch war die Zusammenarbeit mit den einzelnen Schulrektoren und Kindergartenleiterinnen sehr gut. Der gegenseitige Kontakt und Informationsaustausch verlief hervorragend.
Die Kinder zwischen 3 und 6 Jahren wurden
auf den katholischen Kindergarten St. Bernhard und den städtischen Kindergarten
"Kahlach" verteilt.
In die Falkenhausenschule (Grundschule) gingen die Kinder
zwischen 7 und 11 Jahren und der Rest besuchte die Wilhelmschule (Hauptschule).
Ein motivierter Jugendlicher aus Sri Lanka besuchte sogar das Berufsvorbereitungsjahr
(Ausländerklasse) in der Gewerbeschule. Er besucht die Schule jetzt schon das zweite Jahr
und wird dieses Jahr, mit etwas Glück, die Schule mit dem Hauptschulabschluß verlassen.
Den Einkauf und das Verteilen von Schulmaterial hat der Sozialdienst für die Verwaltung von der Sammelunterkunft übernommen. Somit hatte man jederzeit den Überblick und konnte den regelmäßigen Kontakt zu den Schulkindern pflegen.
Im Februar wurde auf dem Stockwerk der Familien ein Frauen- und Kinderzimmer eingerichtet. Dank der Möbel aus dem städtischen Möbellager und der vielen Spielzeugspenden aus der Bevölkerung konnte dieses Zimmer gemütlich eingerichtet werden.
Jeden Freitag mittag von 14.00 - 17.00 Uhr
fand die Kindergruppe in diesem Zimmer statt. In dieser Zeit durften die Kinder spielen
(Memory, Karten, Mensch ärgere dich nicht, Vier gewinnt, Legos...) basteln und sich
austoben.
Je nach Wetterlage fanden auch einzelne Ausflüge statt (z.B. Spielplatz und Eisessen).
Während der Sommerferien haben die Kinder am Ferienpaßprogramm der Stadt Kehl
teilgenommen (z.B. Schwimmbadfete in Auenheim, Kinobesuch, Spielefest), einige auch an der
Stadtranderholung des
Diakonischen Werkes. Die Kinder konnten mit diesem Ferienpaß jederzeit auch das Freibad
in Kehl und Auenheim kostenlos besuchen.
Das Highlight der Kindergruppe war
jedoch der Besuch im April im Europapark. Mit 30 Kindern erlebten wir einen wunderschönen
Tag, von welchem die Kinder heute noch träumen.
Für die Frauen und Mütter in der
Sammelunterkunft fand jeden Mittwoch von 14.00 - 16.30 Uhr das "Frauencafé" im
Frauen- und Kinderzimmer statt. Der ursprüngliche Gedanke, daß die Frauen einmal in der
Woche für zwei Stunden, ohne Kinder, unter sich sein konnten, ließ sich leider nicht
immer mit Erfolg verwirklichen. Trotz allem entwickelte sich eine intensive Beziehung zu
den Frauen und man konnte einiges zusammen unternehmen. Es wurde Tee und Kaffee getrunken,
gebastelt, getanzt, Eis gegessen, ein Stadtbummel gemacht und vieles mehr.... Es hat sich
eine richtig nette Frauengruppe von ca. 10 Frauen (überwiegend türkischer Nationalität)
zusammengefunden, die gegenseitig ihre Sorgen und Probleme austauschen konnten und immer
Unterstützung in der Gruppe fanden. Die Fürsorge für schwangere Frauen, z.B. Begleitung
zum Arzt oder ins Krankenhaus, wurde von den Frauen dankend angenommen, ebenso bei den
Kindern. So war es auch selbstverständlich, daß der Sozialdienst das Bestellen und
Ausgeben (einmal pro Woche) von Babynahrung und Pampers für die Verwaltung der
Sammelunterkunft übernommen hat. Hierbei war der regelmäßige Kontakt zu den Familien
von Vorteil.
Durch öffentliche Spendenaufrufe im katholischen und evangelischen Kirchengemeindeblatt
konnten auch einige Kinderwagen, sowie Baby- und Kinderbekleidung und Schuhe für die
Familien angeschafft werden.
Ökumenischer Freundeskreis Asyl
Er ist bereits seit 1992, also seit Bestehen der SU Kehl, tätig. Der Anlaß war damals, daß es Engpässe bei der Versorgung mit Kleidern und Hygieneartikeln und überhaupt keine Sozialbetreuung gab. Außerdem hatte die allgemeine Hetze gegen "Asylanten" begonnen, gegen die man etwas tun wollte.

Ausgehend von je einer Hauptamtlichen einer evangelischen und einer katholischen Kirchengemeinde fand sich ein kleiner Kreis ehrenamtlicher Frauen und Männer, die sich aktiv an der Arbeit beteiligten. Ein etwas weiterer Kreis von Sympathisanten solidarisierte sich mit der Arbeit und wurde ständig informiert. Begleitet wurde der Freundeskreis immer von SozialarbeiternInnen des Caritasverbandes. Die MitarbeiterInnen des Sozialdienstes nahmen regelmäßig an den Treffen des Freundeskreises teil.
Neben einigen Aktionen in der Öffentlichkeitsarbeit war das "Café International" schon immer der Hauptschwerpunkt der ehrenamtlichen Mitarbeiter im Freundeskreis Asyl. Es fand bis zur Schließung der SU immer am 1. und 3. Dienstag im Monat statt. Anfänglich war es im Eßsaal der SU, dann, nach einer zeitweiligen Auslagerung in das Gemeindezentrum der evang. Friedenskirche, im Aufenthaltsraum der Kurden. Dies war immer ziemlich schwierig und aufwendig, so daß alle froh waren, als die Verwaltung auf unser Drängen einen eigenen Raum für das Café International zur Verfügung stellte. Der Raum wurde eingerichtet, mit Vorhängen versehen und vor allem konnte man die Utensilien jetzt in Schränken lagern und mußte sie nicht immer hin- und herräumen. Das Café wurde von den Bewohnern gut angenommen und besucht. Vor allem von den Familien wurde es stark frequentiert. Als dann noch die Kinder parallel einen separaten Treff hatten, war die nötige Ruhe für Gespräche und Begegnung gegeben.
Auf Einladung des Sozialbürgermeisters der Stadt Kehl trafen sich Vertreter des Caritasverbandes und der Diakonie, des Freundeskreises Asyl, Vertreter verschiedener anderer sozialer Einrichtungen in Kehl und als sozialpolitische Dimension Vertreter der verschiedenen politischen Parteien im Gemeinderat der Stadt Kehl. Diese waren besonders wichtig, da sie die Informationen und Ergebnisse aus den Sitzungen in ihren Fraktionen der Parteien und damit im Stadtparlament vertreten konnten. Mit Schließung der SU Kehl wurde dieser AK aufgelöst mit dem Hinweis, daß die Probleme der hier lebenden Asylbewerber bei Bedarf im Sozialausschuß des Gemeinderates beraten werden könnten und daß dazu die Mitglieder des Freundeskreises Asyl eingeladen werden.

Im März / April kam uns der Gedanke, ein multikulturelles Sommerfest zu veranstalten. Wir hatten uns überlegt, bzw. gehofft, daß sich alle Heimbewohner bei Vorbereitung und Durchführung beteiligen würden. Hier war aber mehr der Wunsch Vater des Gedanken. Wir dachten, daß sich die verschiedenen Kulturen durch landestypische Speisen, Musik und Tanz einbringen könnten. Wir vom Sozialdienst wollten durch Essen unseren Beitrag leisten, angedacht war aber auch ein Männerballett der Geschäftsführer....
Wir luden die jeweiligen Dolmetscher zu einer Besprechung ein, stellten unsere Idee vor und baten sie, dies an ihre Landsleute weiterzugeben und abzusprechen, wer was zu tun bereit wäre. Letztendlich waren vor allem die türkischen Frauen und die Männer aus Sri Lanka bereit, ihre kulinarischen Köstlichkeiten zuzubereiten. Von vielen kamen Ausreden wie sie könnten gar nicht kochen oder ein Iraker sagte, im Irak gäbe es keine Kultur, sie könnten nur Krieg führen.
Zum Thema Tanz kam der Vorschlag, eine tamilische Studentengruppe einzuladen, leider hatte diese an dem Termin keine Zeit. Musikalisch gab es viele Talente und Interessen, leider aber keine Möglichkeit, an Instrumente heranzukommen.
Da ein Sommerfest ohne Musik nicht sein kann und wir keine deutsche Blasmusik haben wollten, heuerten wir ein Trio von togolesischen Trommlern sowie eine deutsche Folkband mit internationalem Repertoire und Rhythmusinstrumenten zum Mitfetzen an.
Weil wir durch die langjährige Café-International-Arbeit wußten, daß die Kehler Öffentlichkeit kein Interesse an den Heimbewohnern hat, beschränkten wir unsere Öffentlichkeitsarbeit lediglich auf einen kurzen Zeitungsartikel als Einladung.
Wir organisierten die Getränke und Kühlschränke, Tische und Bänke, heiße Würstchen, Salate und die benötigten Lebensmittel für die ausländischen Spezialitäten.
Am Tag X, dem 20.8.97, brannte eine strahlende Sonne vom blauen Himmel, als die Aufbauarbeiten begannen. Letzte Einkäufe wurden erledigt, Tische und Bänke aufgestellt, die den ansonsten tristen Kasernenhof gleich viel gemütlicher aussehen ließen.

Auch die immer aktiven Mitglieder des Freundeskreises Asyl waren anwesend und unterstützten uns. Die Asylbewerber reagierten zunächst erstaunt und wußten nicht, was los war, obwohl wir mehrsprachige Plakate aufgehängt hatten. Mittags kamen zur Kinderbelustigung die Hopfburg der Sparkasse und das Kehler Spielmobil vorbei. Am frühen Abend wurde dann das leckere Buffet aufgebaut und wir konnten zu afrikanischen Trommelklängen schmausen. Als dann die deutsche Folkband dazukam, wurde miteinander improvisiert, mittlerweile trommelte auch ein Iraker und die Kinder bekamen die Rhythmusinstrumente in die Hände gedrückt. Es bedurfte keiner größeren Anstrengung, die Leute zum Tanzen zu bewegen, nach zwei angeleiteten Kreistänzen tanzte die Menge. Später bildete sich noch ein anderer Tanzkreis, als die Kurden ihre eigene Musikanlage aufbauten und zu tanzen begannen. Man kann sagen, daß der Bär im Hof tanzte. Zwar waren nicht alle Heimbewohner anwesend, einige schauten von den Fenstern aus zu und wußten wohl nicht so recht, was das zu bedeuten hatte, aber denjenigen, die anwesend waren, machte es sehr viel Spaß. Auch unsere deutschen Freunde und Verwandte, die unserer Einladung gefolgt waren, hatten viel Vergnügen und die Möglichkeit, in einem ungezwungenen Rahmen mit Asylbewerbern in Kontakt zu kommen.

Das Aufräumen danach war überhaupt kein Problem, es fanden sich viele helfende Hände.
Für uns vom Sozialdienst war dieses Fest ein gelungener Erfolg, alles hat geklappt ( mit mehr oder weniger Streß), es gab keine Probleme während des Festes und für alle Anwesenden war es ein Höhepunkt im Kasernenalltag.
Schade, daß es das einzige Fest in den zehn Monaten unserer Arbeit war.
Im Rahmen unserer Arbeit im Sozialdienst wurde die Öffentlichkeit über die Arbeit der Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas in der Sammelunterkunft informiert.

Ebenso halfen wir den Asylbewerbern den Kontakt mit der Presse herzustellen, als z.B. das Asylbewerberleistungsgesetz innerhalb kürzester Zeit zweimal geändert wurde und bekannt wurde, daß das Sachleistungsprinzip bis zum Jahr 2000 bestehen bleibt. Während die vorhergehende Regelung den Erhalt von Geldleistungen nach einem Jahr Aufenthalt in Deutschland vorsah, sollten jetzt alle Asylbewerber bis zum Jahr 2000 Essenspakete und 80.-DM Taschengeld erhalten. Wir unterstützten ihre Aktionen in der Öffentlichkeit wie Hungerstreik und Demonstration vor dem Kehler Rathaus.
Öffentlichkeitsarbeit in Schulen
Durch die Arbeit im Sozialdienst lernten wir einen politisch interessierten jungen Tamilen aus Sri Lanka kennen, der die Öffentlichkeit über die Probleme in seinem Heimatland informieren wollte.
Da es in Willstätt an der Moscheroschschule Jugendliche gab, die sich am gemeindeansässigen Verein Freundeskreis für Sri Lanka durch eine wohltätige Spende beteiligt hatten, konnte über die Verbindungslehrerin, Frau Kiefer, ein Vormittag vereinbart werden, an dem sich die Schüler der 9. und 10. Klasse auf Englisch über Sri Lanka (Kultur, Religion, Landwirtschaft und den Bürgerkrieg) informierten. Besonders beeindruckend für die Jugendlichen war es, Fotos zu betrachten und zu hören, warum der Tamile aus seinem Heimatland geflüchtet ist.
Ein zweiter Termin fand an der Realschule Oberkirch in Zusammenarbeit mit dem Tamilischen Studentenverein Deutschland e.V. statt. Auch hier war es für die Schüler faszinierend zu hören, wie die Tamilen unter großen Repressionen weiterhin um ihre Rechte kämpfen und sich wegen der Unterdrückung durch die Singhalesen im Bürgerkrieg einen eigenen Staat erkämpfen wollen.
Informationsveranstaltung zu Sri Lanka
Eine öffentliche Veranstaltung, zu der alle interessierten Bürger von Kehl eingeladen waren, fand im Gemeindezentrum Sankt Nepomuk statt. Organisiert wurde diese in Zusammenarbeit mit dem ökumenischen Freundeskreis Asyl und Referentinnen vom Tamilischen Studentenverein Deutschland e.V. Hier konnten sich die Bürger in einem Referat ein Bild machen, wo die historischen Wurzeln des heutigen Konflikts zwischen der Minderheit der Tamilen und der Mehrheit der Singhalesen liegen und Eindrücke von den Grausamkeiten des Bürgerkriegs in Sri Lanka durch ein Dokumentarvideo bekommen.
Etwa zwanzig Interessierte waren gekommen und in der anschließenden Diskussionsrunde konnten noch viele offene Fragen geklärt werden.
Referat zur Asylproblematik in Deutschland beim evangelischen Pfarrkonvent
Beim evangelischen Pfarrkonvent handelt es sich um ein Treffen aller Pfarrer im Kirchenbezirk Kehl. Bei einem dieser Treffen hieß das Schwerpunktthema Asyl, zu dem beim Sozialdienst nach fachkundigen Referenten angefragt wurde.
Nach einem statistischen Überblick über die Entwicklung der Asylbewerberzahlen in den letzten 10 Jahren, die Anerkennungsquoten etc. kamen wir schnell ins Gespräch mit den Pfarrern, in deren Gemeinden bereits Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht wurden. Einige Asylbewerber besuchten die Gottesdienste, eine Gemeinde hatte schon mal den Fall eines Kirchenasyls und berichtete über die Schwierigkeiten, die dabei auftraten.
Für die Pfarrer war es sehr wichtig zu erfahren, daß es in Kehl beim Caritasverband eine Beratungsstelle für Flüchtlinge gibt, an die man sich (auch als Kirchengemeinde) wenden kann, wenn man Fragen zum Asylverfahren, Leistungsgesetzen etc. hat.
Teamarbeit / Erfahrungsaustausch
Die Zusammenarbeit im Team begann damit, daß jeder Mitarbeiter zunächst einmal selbst seine Bereiche, die er als Schwerpunkt bearbeiten wollte, benannte.
Natürlich war es allen klar, daß jeder zuständig für die allgemeinen Beratungen sein mußte, wie z.B. Ausfüllhilfen, Strafbefehle, Anträge auf Ratenzahlungen usw. da wir die Bewohner nicht ständig weiterweisen wollten und da diese Grunddienste auch am umfangreichsten sein würden. Wir verzichteten auch bewußt auf eine alphabetische oder nationalitätsbezogene Einteilung, obwohl wir dadurch manchmal Zwei- und Dreifachberatungen zum selben Problem machen mußten. Dies hofften wir mit der Zeit dadurch zu verhindern, daß sie von jedem Berater/In dieselbe Auskunft erhalten würden und daß wir uns, in regelmäßigen Teamsitzungen gegenseitig über unsere Fälle informieren wollten.
Leider schafften wir es nicht, regelmäßige Teamsitzungen abzuhalten, da wir zum Anfang unserer Arbeit den zu hohen Anspruch hatten: "Es ist offen, sobald jemand von uns anwesend ist und nicht nur 2x täglich eine Stunde." So konnten zwar die Bewohner jederzeit mit ihren Problemen zu uns kommen, aber wir fanden vor lauter Arbeit wenig Zeit, im Team unsere Arbeit zu reflektieren. So fehlte uns auch die Zeit, in Ruhe darüber nachzudenken, was noch verändert oder neu getan werden sollte, oder gar, wie jeder einzelne MA/In mit der Zusammenarbeit und der Umgangsweise im Team zufrieden ist. Wir haben richtig aufgeatmet, als wir nach Monaten beschlossen hatten, Mittwoch nachmittags ab 15.00 und Freitag nachmittags unsere Beratungsstelle zu schließen, um in Ruhe liegengebliebene Arbeiten erledigen und in Ruhe auch einmal Aktionen reflektieren oder planen zu können.
Zusammenarbeit Sozialdienst - Verwaltung/ Polizei/ Ausländeramt Kehl
Zu Beginn unserer Arbeit in der SU Kehl haben wir die Verwaltung als sehr mißtrauisch erlebt. Die VerwaltungsmitarbeiterInnen hatten wohl Angst, daß es ständig Auseinandersetzungen geben würde. Dies wurde in den gemeinsamen Sitzungen deutlich, in denen wir absprachen, welche Aufgaben des vorherigen Sozialdienstes des Regierungspräsidiums Freiburg wir übernehmen. Im Laufe unserer Arbeit bemerkte die Verwaltung, daß wir ihnen viel Arbeit abnahmen und daß es weniger Probleme in der SU gab. Dies ergab sich einfach dadurch, daß wir für die Bewohner ständig ansprechbar waren und sie sehr schnell mit ihren Problemen zuerst zu uns kamen und nicht zur Verwaltung. Wir waren eine Art Puffer zwischen Bewohnern und Verwaltung, was wir als eine unserer vordringlichsten Aufgaben ansahen, der beiden Seiten Vorteile brachte. Da, im Gegensatz zu unseren Vorgängern, der Leiter der SU nicht unser Vorgesetzter war, konnten wir auf einer anderen Ebene mit der Verwaltung umgehen und für die Asylbewerber viel erreichen. Für die Arbeit war es wesentlich, daß insbesondere der Leiter ein offenes Ohr für die Mitarbeiter des Sozialdienstes und die Probleme der Flüchtlinge hatte.
Das Ausländeramt bot zweimal in der Woche Sprechstunden in der SU an. Dies war sehr gut für beide Seiten: Die Ausländerbehörde mußte den Andrang der Bewohner der SU nicht im Rathaus über sich ergehen lassen. Sie konnte die Anliegen der Asylbewerber vor Ort klären und die Bewohner konnten sich den Weg zum Rathaus ersparen. Außerdem war es sehr viel einfacher, strittige Fälle direkt und sofort zwischen Ausländerbehörde und Sozialdienst klären zu können. Sehr hilfreich waren die unregelmäßigen Kaffee - Hocks, bei denen wir zwanglos über Einzelfälle oder neue Verordnungen reden konnten. Dabei wurde auch bei den Mitarbeitern des Ausländeramtes Kehl deutlich, daß bei ihnen meistens eine positive Einstellung gegenüber Asylbewerbern vorherrschte und daß auf jeden Fall auch bei ihnen der Mensch im Mittelpunkt steht.
Es hat sich als sehr gut erwiesen, daß die Polizeiwache Kehl einen bestimmten Beamten für die SU abgestellt hatte. Dieser Polizeibeamte war fast jeden Tag stundenweise dort anwesend und hat durch seinen ungezwungenen Umgang mit den Bewohnern viel zur entspannten Atmosphäre, auch bei unangenehmen Amtshandlungen wie Festnahme oder Abschiebung, beigetragen. Der Beamte hat uns bei der intensiven Einzelbetreuung eines psychisch Kranken sehr geholfen, indem er sich bereit erklärte, Transporte zum Psychiater/Neurologen, oder gar nach Emmendingen ins Psychiatrische Landeskrankenhaus, sofern sie notwendig waren, zu begleiten oder durchzuführen. Der Kontakt zwischen Sozialdienst und Polizei, auch Kriminalpolizei, war deshalb sehr gut, weil wir versuchten, gemeinsame Lösungen für Probleme zu finden.
Uns allen hat die Arbeit in der Sam-melunterkunft großen Spaß gemacht und das ist ein wesentlicher Grund dafür, daß wir, trotz aller Schwierigkeiten in diesem Tätigkeitsfeld, inhaltlich insgesamt erfolgreiche Arbeit geleistet haben.
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